Meine Arbeitsweise
Meine Arbeit ist verhaltenstherapeutisch fundiert und integrativ. Ich greife auf systemische, motivationsbasierte und lösungsorientierte Zugänge zurück, wenn sie weiterhelfen. Drei Leitlinien prägen, wie ich mit Mitarbeitenden und Teams arbeite:
Entwicklung sehen, nicht Störung Biologische, neuronale und psychosoziale Entwicklungsprozesse bilden den Rahmen meiner Arbeit. Vieles, was auf den ersten Blick irritiert, wird mit diesem Blick einordbar – und weniger dramatisch. Vieles im Jugendalter ist entwicklungsbedingt, Ausdruck von Not und nicht gleich behandlungsbedürftig.
Bedürfnisse verstehen, Ambivalenz erkunden Bindung, Selbstwert, Kontrolle, Lustgewinn – die vier Grundbedürfnisse nach Grawe sind mein Leitfaden für tragfähige Beziehungsarbeit. Sie helfen, Verhalten zu verstehen, statt es nur zu bewerten. Im Gespräch wird Ambivalenz nicht bekämpft, sondern erkundet. Wahlfreiheit ist zentral – auch in Situationen, in denen es oberflächlich keine gibt.
Beziehung vor Intervention Erst Beziehung, dann alles andere. Das ist kein Zusatz – das ist der Kern der Arbeit.
Didaktische Handschrift
Meine Seminare arbeiten mit konkreten Situationen aus dem Alltag. Wenig frontaler Input, viel Üben im Rollenspiel – nach dem Prinzip der Deliberate Practice: kleine Einheiten, klar definiert, mit sofortigem strukturiertem Feedback. Die eher unbeliebten Rollenspiele werden durch 2 Elemente zugänglicher:
Rollenspiel wie im Film: Rollen heißen Hauptrolle, Gegenrolle, Regie. Durchgänge heißen Takes. Ich kann jederzeit „Cut“ rufen – nicht nur zur Korrektur, sondern auch, um gelungene Momente festzuhalten. Das entdramatisiert: Die Szene muss nicht „fertig“ sein, sondern wird gemeinsam entwickelt.
Sicherheit beim Üben Es gibt Joker mit – Zeig mir, Sag mir, Pause, Stopp – den die Hauptrolle ziehen kann, wenn sie festhängt.
Am Ende jedes Seminartages: Was nehme ich mit, was lasse ich hier? Bewusst entlastend.
Ein Leitsatz, der meine Haltung zusammenfasst
Mitarbeitende in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen machen sich manchmal klein. „Wir sind keine Therapeuten“ ist kein Ausdruck von Bescheidenheit, sondern ein Selbstverkleinerungsreflex, der pädagogische Kompetenz unsichtbar macht. Gegen diesen Reflex arbeite ich – in Fortbildung und Supervision gleichermaßen. Denn pädagogische Kolleg:innen können etwas, das Therapie nicht leisten kann: Alltag, Kontinuität, Beziehung über Jahre, Nähe im Alltäglichen.